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Weisheiten oder SpinnereiBien manger pour vivre miuex! September 15 Murmeltier-PolitikDas Schöne an der österreichischen Innenpolitik: Sie ist so stabil, so berechenbar, sie nervt nicht mit Überraschungen. Man kann sich auf ihre ewigen, ehernen Gesetze verlassen, wie etwa: Wenn irgendwer, z. B. die aktuelle Unterrichtsministerin, etwas am Gesamtkomplex Schule ändern möchte, kommt von der Lehrergewerkschaft bzw. der ÖVP (beinahe ident) ein verlässliches "Njet". Oder: So sicher, wie die Sonne aufgeht, kann man in kurzen Abständen die Überschrift lesen: "Regierung/Innenministerin will Asylgesetze verschärfen". Der "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Effekt tritt auch verlässlich ein, wenn die aktuelle Regierung gelobt: "Schluss mit der Wadlbeißerei, ab jetzt arbeiten wir vertrauensvoll zusammen." Geradezu seit Jahrzehnten sind Begriffe wie "wohlerworbene Rechte", "keine soziale Kälte", "Aufbaugeneration", "sich den Herausforderungen der Zukunft stellen", "bewährte Strukturen nicht zerschlagen", "auf die Menschen zugehen" etc. ständiges Inventar des politischen Diskurses. Diese Kontinuität beruhigt. Sie schläfert sogar ein. Inzwischen ist sie sogar komatös. August 23 Mad WorldAll around me are familiar faces And I find it kind of funny Mad World August 21 Alle Völker lehrenNr. 52/2008, Titel: Abraham – Christen, Juden, Muslime:
Wem gehört der Urvater der Religionen? Weder Mose noch Abraham waren Helden, sondern gehorsame Diener, die nicht jedes Leben respektierten. Mose ließ, die Zehn Gebote in den Händen, 3000 seiner Landsleute, die vom Weg des Herrn abgewichen waren, erschlagen. Dass ein Vater seinen Sohn aus Gründen des Gehorsams oder des Glaubens schlachten soll, ist regelrecht pervers. Da hilft auch keine Interpretation, und sei sie vom Philosophen Kierkegaard. Weniger Gehorsamsbereitschaft für eine „höhere Ehre“ hätte viele Kriege verhindert. January 17 Objektive WeltansichtAuch wenn die Menschen große technische Fortschritte macht, ändert es nicht die Tatsache, dass den Menschen eine objektive Erkenntniss über das leben verwehrt bleibt . Egal wie sehr wir uns bemühen, wir sind wie Blinde die nach einem Elefanten greifen. Manchmal denke ich es währe besser nichts zu lernen, so könnten wir uns ganz der Fantasie widmen. Doch es würde wohl nur dazu führen dass neue Götter erfunden werden. November 24 Menschliche Abgründe ... Sühne ohne Versöhnung, oder doch mit?"Ja, ich habe ihn gesehen. Ich hab ihn mit eigenen Augen gesehen." Dieses Statement als vernichtende Farce in einer haarsträubend dekadenten Landidylle einer bürgerlichen, hoch sterilen spätviktorianischen Welt der 30er Jahre in England ist Achse und Drehpunkt in dieser brillanten und gelungenen Adaption des gleichnamigen Romans von Ian McEwan, mitreißend und genial erzählt vor überwältigenden Kulissen und historischem Hintergrund in traumhaft schönen und verzaubernden, surrealen und absurden Bildern von wechselnden Tonalitäten und Tiefenschärfen und von flimmernd träumerischer und traumatischer, pastelliger Atmosphäre. Scheinbar einer erfrischenden Änderung gleich in drückender Hitze und lethargischem Luxus werden die sinnlich erotischen Bilder und kurzen Worte praller Herausforderung und brennender Lust einer wilden, klassenübergreifenden Leidenschaft zum Auslöser von Kopulation, Liebe und Intrige sowie einer doppelten Sicht von Wahrheit und Lüge, genährt von den blühenden, verzerrenden und dramatisierenden Phantasien einer eifersüchtigen Pubertierenden, und zum Katalysator einer Aussage mit apokalyptischen Folgen. ... wahrhaftig ein emotional packendes, in seiner pathetisch-triumphalen und zugleich elegisch-katastrophistischen audiovisuellen Darstellung stilistisch bemerkenswertes, klassisches Drama mit großartigen Schauspielern, allen voran Knightley als Cecilia in ihrer zarten, durchsichtigen und femininen Erscheinung, zerbrochen an ihrer Gegenwart, McAvoy als Robbie in seiner physischen Metamorphose, zerbrochen an seiner Zukunft, und die 13jährige Ronan als Briony zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zerbrochen an ihrer Vergangenheit, einer exzellent gewählten Musik und einem malerischen Happy End, welches letztendlich keines ist. October 01 Piloten und PolitikerDie Meinungsforschung, die rührend bemüht ist, uns die Arbeit abzunehmen und die Wahlen schon vorher zu gewinnen, wirft noch rasch ein paar Studien auf den Markt. Das in der U-Bahn bodennah erhältliche Heute hat eine zum Thema Vertrauen gefunden. Kernaussage: Nur jeder 13. Wähler bringt dem Berufsstand des Politikers "sehr oder ziemlich hohes Vertrauen" entgegen. Na ja. "Jeder 13. Befragte unter Drogeneinfluss" wäre aussagekräftiger gewesen. Größtes Vertrauen im Volk genießen Feuerwehrleute und Piloten. Nachvollziehbar, denn wir gehen völlig zu Recht davon aus, dass uns Piloten dorthin fliegen, wo wir hin wollen. Sollten wir woanders landen, so geschieht dies fast immer gegen ihren Willen. Sollte es Probleme bei Start oder Landung geben, ist zumeist die Technik schuld. Außerdem ist dann ohnehin die Feuerwehr zur Stelle, die, wie gesagt, ebenso großes Vertrauen genießt. Weiter unten in der Skala: Polizisten und Lehrer. Abgeschlagen: Meteorologen. Dahinter erst die Priester. Die uns zugewandte Sphäre des Himmels erscheint uns trotz düsterer Wolken immer noch vertrauenswürdiger als die jenseitige.
January 05 Der Zuhörtest
Der Zuhörtest
Woran erkennt man, dass man nicht mehr so jung ist wie früher? (Die Frage hatten wir hier schon. Zu den Familienfesttagen gibt es nun neue Betrachtungen.) Jung ist man, wenn man zuhören kann. Sehr jung ist man, wenn man zuhören muss. Jung bleibt man, wenn man niemals aufhört zuzuhören. Älter ist man, wenn man so tut, als würde man zuhören. Noch älter ist man, wenn man nicht mehr so tut, als würde man zuhören. Alt ist man aber erst, wenn man die Gefahr, zuhören zu müssen, dadurch bannt, dass man nicht aufhört zu reden. (Manche sind auf diese Weise schon mit 30 alt.) Jung ist man, wenn man weiß, wem man was erzählt hat. Nicht mehr so jung ist man, wenn man nachfragt, ob man es schon einmal erzählt hat. Noch weniger jung ist man, wenn man in Kauf nimmt, etwas zweimal zu erzählen, weil man nicht mehr weiß, ob man es schon erzählt hat. Ganz und gar nicht mehr jung ist man, wenn es einem egal ist, ob man es bereits erzählt hat. Schon recht deutlich alt ist man, wenn es einem egal ist, ob diejenigen zuhören, denen man es erzählt. Aber wirklich alt ist man erst, wenn niemand anwesend sein muss, damit man wieder einmal erzählt, was man seit Jahren erzählt |
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